MUSIK-KULTUR Eine Schriftenreihe der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf Band 12

Manfred Franz Heidler

Musik in der Bundeswehr
Musikalische Bewährung zwischen Aufgabe und künstlerischem Anspruch

Essen 2005, 656 Seiten mit CD-Rom, 58,00 EUR [D], ISBN 3-89924-123-1

Themenstellung: Diese Arbeit versucht, ausgehend von den frühsten politischen Planungen der sog. deutschen Wiederbewaffnung ab 1950 bis zur derzeitigen Ausformung, den Weg des Militärmusikdienstes der Bundeswehr nachzuzeichnen. 
Herausgearbeitet wird dabei der Wandel in den Musikauffassungen unterschiedlicher deutscher Streitkräfte, die in einem Beziehungsgeflecht zwischen politisch-militärischer Führung, einer auf sie reagierenden Öffentlichkeit und der Militärmusik selbst, entstanden und auch weiterhin generiert werden. Die deutsche Militärmusik und der sie mit begründende und stabilisierende Musikbegriff wird dabei erstmalig als ein sich historisch und zeitbedingt dynamisch wandelndes Ereignisfeld beschrieben.
Sichtbar werden so auch die Auswirkungen, die die tief greifenden politischen Systemwechsel vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die jüngste deutsche Vergangenheit – die deutsche Wiedervereinigung – für die jeweiligen Militärorganisationen und ihre Militärmusiken mit sich brachten.
Nach einer umfangreichen Analyse der Genese des Militärmusikdienstes der Bundeswehr bis in die Gegenwart, bei dem auch Militär- und Blasmusik in der NVA bzw. der DDR ihre ausgiebige Berücksichtigung finden, analysiert der Autor die gegenwärtige Situation des Militärmusikdienstes, um dann abschließend zur militärmusikalischen Zukunft der in einer Dauerreform befindlichen Bundeswehr, von der Armee der Einheit zu einer Armee im Einsatz mit globaler Aufgabenzuweisung, Stellung zu nehmen.
Die Fülle von Informationen des Textbandes ergänzt ein zweiter Band – beigegeben als CD-Rom, mit vielen erstmalig gezeigten Dokumenten, Bildern, Noten und Tondokumenten – zu einer detaillierten Gesamtdarstellung.

Manfred Franz Heidler, geboren 1960 in Donauwörth/Bayern. Berufsausbildung als Flach- und Hochdrucker. 1979 Eintritt in die Bundeswehr, Instrumental-Studium (Tenorhorn u. Posaune) am Robert-Schumann-Institut Düsseldorf der Hochschule für Musik Rheinland, Köln. Verwendung als Musikfeldwebel beim Heeresmusikkorps 2, Kassel. Studium der Instrumentalpädagogik an der Musikhochschule in Detmold. 1987 - 1990 Ausbildung zum Musikdienstoffizier. 1990 - 1999 Lehr- und Ausbildungsoffizier beim Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr. 1994 Abitur am Abendgymnasium Wuppertal. 1997 Studium der Musikwissenschaft an der Robert-Schumann-Hochschule, Erziehungswissenschaft und Psychologie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. 2003 externe Kapellmeisterprüfung. 2004 Promotion zum Dr. phil. Derzeit zweiter Musikoffizier beim Luftwaffenmusikkorps 2, Karlsruhe.

 

Buchtipp: Musik in der Bundeswehr

Düsseldorf/Essen, 08.02.2006, INTRANET aktuell.


Es gibt Werke, die sind sozusagen für die Ewigkeit geschrieben. Das gilt mit Fug und Recht für die hier anzuzeigenden Publikation von Dr. Manfred Franz Heidler, bei Herausgabe des Buches zweiter Musikoffizier beim Luftwaffenmusikkorps 2 in Karlsruhe.

Es handelt sich dabei um seine Doktorarbeit, veröffentlicht in der Schriftenreihe „Musik-Kultur“ der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf, der höchsten Ausbildungsstätte für deutsche Militärmusiker. Die gewaltige Arbeit hat der Autor in zwei Teile „gepackt“, einen „detailversessenen“, umfangreichen Textband und eine hervorragend gestaltete CD-ROM.

Vom Kult zur Funktion

Militärmusik, wie wir sie heute kennen, ist eine mehr als 600 Jahre alte türkische „Erfindung“. Die ersten nachweisbaren Spuren führen aber noch weiter zurück, in den arabischen Raum des frühen Mittelalters, nach Bagdad und nach Damaskus. Von dort kamen musizierende Derwische mit Flöten, Pfeifen, Glocken und Trommeln um das Jahr 1320 n. Chr. nach Kleinasien, und zwar nach Bursa an den Hofe des Osmanensultans Orchan.

Auch die antiken Griechen und Römer kannten bereits Kriegsmusik und Signalwesen. Im Früh- und Hochmittelalter bildete sich in Europa das Landsknechtswesen und deren Musikwesen mit Trommeln und Pfeifen heraus, gleichfalls eine wichtige Entwicklungsstufe der modernen Militärmusik. Die Kreuzritter hatten den ersten Kontakt mit orientalischer Militärmusik, die mit dem Vormarsch der Türken gegen das Abendland ihren prägenden, „spielenden“ Einfluss auf die europäische Heeresmusik hinterließ.

Militärmusik erfüllte seit alters her drei wesentliche Aufgaben: Primär sollte sie im Felde der Übermittlung taktischer oder innerdienstlicher Befehle dienen; daneben besaß sie psychologische Wirkung als Stimulans für die angreifenden Krieger oder zur Einschüchterung der Gegner; und schließlich kam ihr kultisch-rituelle, repräsentative oder später sogar unterhaltende Bedeutung zu.

Die Militärmusik von heute kennt nur noch drei Aufgabenfelder: ihre Verwendung im truppendienstlichen, repräsentativen und unterhaltenden Rahmen. Hierzu zählen etwa Vereidigungen, Zapfenstreiche und öffentliche Konzerte.

Wenn man überhaupt eine Kritik an vorliegendem Buch anbringen könnte, wäre es die, dass eine allgemeine historische Einleitung in das Militärmusikwesen – wie vorstehend vom Rezensenten nur „angeklungen“ – fehlt. Was die Vor-Bundeswehr-Zeit betrifft, widmet der Autor im ersten, gedruckten Teil seines Werkes aber immerhin ein Kapitel der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.

Eine Zeitreise durch fünf Jahrzehnte

Doch der Schwerpunkt der Arbeit – und das besagt ja auch der Titel – befasst sich mit der Musik in der Bundeswehr seit ihren Anfängen und in ihrer „musikalischen Bewährung zwischen Aufgabe und künstlerischem Anspruch“, wie es im Untertitel heißt.

Die Zeitreise der sechs Kapitel zur Bundeswehr-Musikgeschichte beginnt mit den „Grundlagen der deutschen Wiederbewaffnung in ihrer Bedeutung für die Herausbildung einer Militärmusik“.

 

Die nächsten fünf Kapitel lauten:

  • Das Amt Blank und seine musikalischen Initiativen

          Inneres Gefüge –Innere Führung und Militärmusik;

  • „Musik in Uniform“ nach 1945 – der Weg der Militärmusik;

  • Die bundesrepublikanische Realität: Gutachten und Denkschriften zur Reorganisation einer Militärmusik in westdeutschen Streitkräften;

  • Der Militärmusikdienst im Streitkräftekonzept ab 1955

          Die Aufstellung der ersten Musikkorps der Bundeswehr;

  • Der Musikbegriff der Bundeswehr.

Militärmusik im 21. Jahrhundert

Zu den „lesemusikalischen“ Leckerbissen gehören die in einzelne Kapitel eingestreuten Exkurse, vier an der Zahl. Hierzu zählt auch ein Abschnitt zur Geschichte der Militärmusik der Nationalen Volksarmee der Deutschen Demokratischen Republik. Ein anderer lesenswerter Beitrag ist jener zum Großen Zapfenstreich, wobei auch die gesellschaftsproblematischen Fragestellungen nicht ausgeklammert werden. Den Abschluss bildet ein Ausblick auf Gegenwart und Zukunft der Militärmusik in der Bundeswehr.

Zu letztem Punkt schreibt der Autor zwar, dass die Militärmusik hierzulande nur noch von einer kleinen Minderheit als „faschistoide Knobelbechermusik“ angesehen wird, verweist aber auf „das teilweise immer noch fragwürdige Ansehen der Militärmusik in Bereichen der deutschen Gesellschaft. Gerade vor dem Hintergrund weiterer Diskussionen um die Traditionspflege der Bundeswehr kann auch die Militärmusik wieder ins Kreuzfeuer einer emotional gefärbten Kritik geraten. Sie ist daher angehalten, auch hier mit eigenen Konzepten in die Offensive zu gehen.“

Oberst Doktor Michael Schramm, amtierender Leiter des Militärmusikdienstes, hat die notwendige neue Positionierung zu den gewandelten Aufgaben deutscher Militärmusik im 21. Jahrhundert so beschrieben (zitiert nach Heidler, S. 614):

„1. Integration der Truppe untereinander als ‚klingendes Selbstbewusstsein der Streitkräfte‘;

2. Integration der Bundeswehr in die Öffentlichkeit als ‚klingender Ausdruck sicherheitspolitischen Bewusstseins der Bevölkerung‘;

3. Integration der Bundesrepublik Deutschland ins internationale Gefüge als ‚klingende Visitenkarte der Bundesrepublik Deutschland‘.“

Informationsreiche CD-Rom

Ein absolutes „Schmankerl“ ist der zweite Teil des Gesamtwerkes, die CD-ROM. Sie bietet eine Fülle von Informationen an Bildern, Noten sowie Text- und Tondokumenten, vom ersten Drittel des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Darunter sind nicht wenige erstmals veröffentlichte Belege.

Der „elektronische Band“ ist dabei so angelegt, dass die dort abgebildeten Beispiele mit den einzelnen Kapiteln des Textbandes korrespondieren und damit das dort Beschriebene vertiefen beziehungsweise weiter veranschaulichen und auch klanglich erlebbar werden lassen.

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass es für jeden, der sich mit deutscher Militärmusik beschäftigt, ein absolutes Muss ist, den „Heidler“ zu Rate zu ziehen.

 

Seine Dissertation wurde am 27. Juni 2006 mit dem Fritz-Thelen- Anerkennungspreis der Internationalen Gesellschaft zur Förderung und Erforschung der Blasmusik (IGEB) ausgezeichnet.

Die Verleihung der Urkunde erfolgte durch den Vizepräsidenten der IGEB,

Herrn Francis Pieters aus Belgien.

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